Es war einmal...

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Re: Es war einmal...

Beitrag  Liyaniel am Di Sep 20, 2016 5:46 pm



Tag ? : "Im Bann des dunklen Waldes" oder "Wenn der Nekro zum dritten Mal klingelt"



Abendlieds Tagebuch


Ich habe mein Bad bekommen und weiter geschlafen.
Diese Müdigkeit scheint nicht mehr schwinden zu wollen. Doch muss ich gleich noch zu Fred und den Zauber erneuern. Auf meine Annehmlichkeiten möchte ich nun wahrlich nicht mehr verzichten.

Drei Metallstücke habe ich mit dem Zauber ‚Person festhalten‘ und Illusionen versehen, um ihre magische Eigenschaft zu verschleiern. Sie müssen nur noch platziert und aktiviert werden. Ich habe sie Trollkraut, Manadistel und Blutdistel genannt und entsprechend markiert.

Wie lange sind wir wohl schon hier?
Am Ende ist Anjanette bereits gänzlich von Würmern zerfressen.
Das alles wirkt so weit weg, scheint keine Bedeutung mehr zu haben, nicht mehr Teil meines Lebens. Gar bin ich mir nicht sicher, ob ich zu meinem ‚alten‘ Leben zurückkehren möchte.

Alles scheint bedeutungslos, was zuvor so wichtig erschien. Mein Leben scheint sich mehr und mehr um die wenigen Personen hier an meiner Seite zu drehen, die sich so vertrauensvoll mit mir auf diese Reise begeben haben, die nun solche Ausmaße genommen hat. Und doch weichen sie nicht von meiner Seite. Vor allem Jon und Novizin Conroy scheinen gewillt zu sein, das hier zu Ende zu führen.


Zuletzt von Liyaniel am Fr Okt 06, 2017 9:15 pm bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet

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Re: Es war einmal...

Beitrag  Liyaniel am Di Sep 20, 2016 5:49 pm



Tag ? : "Das doppelte Erzmagierlein"



Derweil bei Abendlied:


Kalt.

Sie hatten ihr die Kleider genommen.
Benommen tastete sie über den Boden. Nichts als Staub.
Und Stille.
Kein Laut drang an ihr Ohr, kein Laut ging ihr über die Lippen. Doch erkannte sie im Nebel  schemenhaft gebeugte, schlurfende Gestalten die sie umkreisten.

Ich muss mich konzentrieren.

Nichts. Ihr Verstand war von einer seltsamen Trägheit befallen. Zu müde. Das dumpfe Pochen im Kopf war zu einem stechenden Schmerz geworden. Zu schwach, um gar einen Arm zu heben.

„Ihr seid krank. Ihr müsst Euch ausruhen“, ertönte von weit her eine Stimme. Nein, das war in ihrem Kopf. Eine Erinnerung, die sie lange vergessen glaubte.

Liyaniel rollte sich auf den Rücken, der Blick dumpf nach oben gerichtet. Sie versuchte zu singen. Doch noch immer kein Ton, als hätte man ihr die Stimme geraubt. Ein zorniger, tonloser Schrei.

Was habt ihr mit mir gemacht?

Lautlos hustete sie. Zu viel Staub.

Zu kalt.


Zuletzt von Liyaniel am Fr Okt 06, 2017 9:16 pm bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet

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Re: Es war einmal...

Beitrag  Liyaniel am Di Sep 20, 2016 5:53 pm



Noch immer der letzte Tag? - Vom hässlichen Entlein, sterbenden Schwänen und stummen Schreien



Derweil bei Abendlied:


Steh‘ auf.

Nein, die Beine wollten nicht gehorchen. Nur ein kurzes Aufwallen eigener Gedanken, ehe sich auf ihren Geist der Nebel nieder legte. Wie eine Puppe, von fremder Hand geführt, setzte sie sich auf.
Das leuchtende Augenpaar blickte ins Dunkel. Schemenhaft erkannte sie eine Gestalt, die sich ihr näherte.
„Jon?“ kam es ihr flüsternd über die Lippen, als sie die heran getretene Person erkannte. Stumm ging er vor ihr in die Hocke, nahm das Gesicht der Elfe zwischen die Hände.
Gar seltsam mutete das Lächeln des Leutnants an, welches in einem Grinsen mündete. Fremdartige Worte, die ihr Geist nicht erfassen konnte, ehe sie von innen heraus die steigende Hitze spürte. Ein sengender Schmerz, der sie erfasste, so dass sie sich unter gellenden Schreien krümmte.

„Weine für mich, Elfenweib“, erklang eine fremde Stimme.
Kein Jon. Nur ein alter Mann der sich grinsend zu ihr beugte. Er roch vermodert, seine knochigen Finger hielten eine kleine Phiole.
Es war nicht schwer, dem Wunsch nachzukommen. Die Tränen flossen, wurden in dem kleinen gläsernen Gefäß aufgefangen.
„Gutes Kind“, sprach er und lachte schäbig auf.

Belore, warum erweist mir niemand Gnade?

Der Schmerz ließ ebenso plötzlich nach, wie er aufgekommen war. Dafür drang etwas Neues in ihr Bewusstsein.
Sie sind alle tot. Die da kommen werden, sind nicht sie.

Sie wurde auf die Beine gebracht und schlurfte wie von einem unsichtbaren Seil geführt durch die unterirdischen Gänge.

Mich bekommt ihr nicht.

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Re: Es war einmal...

Beitrag  Liyaniel am Di Sep 20, 2016 5:56 pm



Tag ? - Vom Dolchtraining und Trockenübungen



Abendlieds Tagebuch


Wie fühlt man sich, nach all diesen Dingen? Wie sollte man sich fühlen?

Nun, wo die Gefahr gebannt scheint, fühle ich mich unsäglich leer. Auch wenn noch immer ein Akolyth auf freiem Fuß zu sein scheint. Was ist das schon im Vergleich zu dem, was wir bislang ertrugen?

Ich erinnere mich daran, dass ich sie alle töten wollte. Ein Zwang, dem ich nicht widerstehen konnte, nach all den Trugbildern. Gut, dass ich versagt und mir dabei nicht noch den Hals gebrochen habe.

Alle sind erschöpft, doch durchaus wohlauf.
Nur mein Knöchel bereitet mir Sorge. Jon deutete an, dass ich vermutlich nachfolgend hinken werde. Nein, er deutete nicht an. Er sagte es direkt heraus.
Belore, ich hoffe, dies bleibt mir erspart. Auch wenn es meine Tauglichkeit bei Einsätzen kaum oder gar nicht beeinträchtigen sollte.
Es kümmert mich nicht einmal.

Wir leben. Das ist alles, was zählt.

Seltsam, wie sehr die Dinge, die einem mit höchster Priorität erstrebenswert erschienen, plötzlich ihre Bedeutung verlieren.
All die Jahre, die ich um diesen Titel kämpfte, der nichts als fade Prestige bringt. Neigt nur euer Haupt vor mir, es bedeutet mir nichts. Ebenso, wie es euch nichts bedeutet. Lediglich Etikette.

Ich möchte nicht zurück.
Doch soll mich das ‚morgen‘ nicht mehr kümmern. Morgen könnte mich der Tod ereilen. Jeden von uns könnte er ereilen.
Kein Zaudern mehr, keine Zurückhaltung und keine Lügen jenen, welche die Wahrheit verdienen. Nie wieder.
Auch wenn meine mangelnde Zurückhaltung vermutlich alle schockierte. Ich habe mir genommen, wonach es mich verlangte und würde es immer wieder tun, habe es in jeder Hinsicht genossen. Auch wenn es wohl unschicklich war, Jon so zu überrumpeln.
Was kümmert mich sein Weib in fernen Ländern?

Wir sind hier. Und heute ist heute. Was morgen kommt, das wissen wir nicht.

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Re: Es war einmal...

Beitrag  Liyaniel am Di Sep 20, 2016 6:00 pm



Von Leichenmanufakturen und traurigen Fallen



Abendlieds Tagebuch


<Die ersten Zeilen muten krakelig an, als sei die Elfe gar zu müde oder auf andere Weise geistig umnachtet gewesen.>

Es pocht und pocht… Elender Fuß.

<Es wurde eine Sonnenblume mit einem lächelnden Gesicht gezeichnet.>

Es geht mir gut. Trotz allem. Das ist seltsam. Ich fühle mich seltsam gut.

Ich sehe ihn. Er schläft. Alle schlafen. Er gleich nicht mehr.

Das wird ein guter Tag.

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Re: Es war einmal...

Beitrag  Liyaniel am Di Sep 20, 2016 6:02 pm



Vom Nexus und vom Nether



Abendlieds Tagebuch


Arkane Magie macht süchtig.
Ebenso, wie Blutdisteln zu einer unliebsamen Sucht führen können. Es mag an der anregenden und euphorisierenden Wirkung liegen.

Doch heute Morgen habe ich wahrhaftig vom Nexus gekostet. Ich glaube jedenfalls, dass es Morgen war. Alle schliefen noch und meinen Nexus habe ich geweckt.
Wenn man einen Zauber gewirkt hat, gilt es dem Drang zu widerstehen, einen weiteren zu wirken. Das hat mir nie Probleme bereitet.
Aber das hier bereitet mir Probleme.  Vielleicht ist er auch ein Dämon, der mir nun Dinge in meinen Geist gepflanzt hat, die ich umzusetzen gewillt bin. Wenn dem so ist, sollte ich mich dem Nether hingeben. Ein recht reizvoller Gedanke. Auch wenn es mir nun die Schamesröte in das Gesicht treibt. Das spüre ich.
Beim Licht der Sonne, sie werden es bemerken, ich sollte mich beherrschen.
Und auf meine Gedanken achten. Am Ende liest Magus Servantes sie. Das wäre mir höchst unangenehm. Ich sollte meinen Geist abschirmen.

Ehe wir heute Rabenflucht und diesen scheußlichen Wald verließen, haben Magus Servantes und ich die Zugänge zur Gruft mit Hilfe von Illusionen verborgen. Ich werde zu einem späteren Zeitpunkt abermals dort einkehren, mit entsprechender Ausrüstung, um die Gruft wieder zu einem sicheren Ort für Tote zu machen. Tote sollte man ruhen lassen.

Wir sind ein wenig enttäuscht, keine Artefakte oder Aufzeichnungen gefunden zu haben. Jon vermutet, dass sich der verschwundene Akolyth damit davon gemacht hat. Geflohen oder von seinem Meister entsandt.
Ihn zu finden wird eine Herausforderung. Wo sollen wir zu suchen beginnen? Doch auch hier gilt es, sich entsprechend vorzubereiten.

Magus Servantes erweist sich als angenehme Person. Für einen Kirin Tor. Er war so freundlich, mir bei der Ortung der beiden Falks behilflich zu sein. Anjanette befindet sich wohl im nordöstlichen Teil des Elwynnwaldes. Begraben zwischen zwei Bäumen. Wie einfallslos.
Leirix hingegen scheint wieder in Sturmwind zu sein. Ich bin mir nicht sicher, ob es da noch nötig sein wird, einzugreifen. Sein Schicksal hat er mit seiner Rückkehr besiegelt. Wenn die Gerüchte wahr sind.
Unwürdiger.

Nachdem wir querfeldein über den Fluss in den Elwynnwald gewandert sind, hat es uns geradewegs auf das Anwesen der Levenbergs verschlagen. Ein glücklicher Zufall, der für uns alle ein gepflegtes Umfeld, Tee und hoffentlich auch warme Betten bedeutet.
Nun sitzen wir bei Tisch und werden bewirtet.
Und mit dem Einkehren in die ‚Zivilisation‘ spüre ich deutlich wieder diese Unzufriedenheit. Drohende Langeweile.
Staubige Akten, fade Konversation, zu viel oberflächliche Sauberkeit.
Vielleicht wäre es eine Überlegung wert, die nächste Gelegenheit für einen Außeneinsatz zu ergreifen.

Konversation.

Beim Sonnenbrunnen, ich möchte gerade lieber… Nether.

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Re: Es war einmal...

Beitrag  Liyaniel am Di Sep 20, 2016 6:06 pm



Tag ?: "Vom Rausch und zuviel Geplapper" oder "Von fremden Manawyrmlingen nascht man nicht"



Abendlieds Tagebuch


Die Konversation mit Lady Odette hat sich als äußerst fad erwiesen. Ein kleiner Vorgeschmack auf das, was uns bald wieder erwarten wird.
Eine ebenso große Plage war ihr Manawyrmling, der mir tatsächlich an mein Mana wollte. Lästige Kreatur. Das nächste Mal bekomme ich es…

Die Nacht habe ich am kleinen See verbracht. Ein einfacher See, den ich unter anderen Umständen vermutlich als angenehm bezaubernd empfunden hätte. Ein wenig erinnerte es an meine Zeit als Novizin und die Begegnung mit Magister Sonnenfeuer. Auch wenn die Erlebnisse nicht an einem See stattfanden, waren sie doch recht interessant, prägend und beängstigend.

„Ihr werdet nie über den Sonnenhof flanieren, Novizin Abendlied.“

Natürlich nicht, dämlicher Troll. Die Heimat ist nicht mehr das, was sie einst war. Aber wer hätte das geahnt?
Blutdisteln und noch etwas anderes, von dem ich nach einhundert Jahren nicht weiß, was es eigentlich war. Mein Verlust der ‚Unschuld‘ in jeder Hinsicht.
Exzessiver Konsum von Blutdisteln, einer mir unbekannten Substanz und Mana.
Tage und nächtelange Ausgelassenheit, hemmungsloses Wirken, Wein, Speisen und Musik… das Eintauchen in den Rausch, ein Gefühl des Ertrinkens und am Ende das Erwachen mit scheußlichen Schmerzen.

„Euch hält die Neugier und doch wisst Ihr, es wäre besser zu fliehen, Novizin Abendlied.“

Ja, ich hätte vor ihm fliehen sollen, der mir meinen Frieden stahl. Einen Keim in mich setzte, den ich verbarg und den ER nun wiederweckt hat.
Ich bin froh, damals gezögert zu haben.

Und auch sein Zögern habe ich gespürt. Doch flieh nur, Jon, flieh. Lauf so schnell du kannst, ehe mein Schatten dich verfolgt.
Labe dich an dem Erfolg, den Blick einer Quel’dorei auf dich gezogen zu haben. Möge es dich verzehren, so wie es mich verzehrt.

Er würde gerne mit mir ‚tauschen‘ – was versteht er schon vom Ausmaß? Jener, dem die Zeit entrinnt und der sie dennoch nicht zu nutzen weiß.

Tapferer Jon, ehrbarer Jon, feiger Jon. Lauf.


Zuletzt von Liyaniel am Fr Okt 06, 2017 9:18 pm bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet

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Re: Es war einmal...

Beitrag  Liyaniel am Di Sep 20, 2016 6:13 pm



Soldatentagebuch von Jonathan Tintage
Eintrag vom 3. Monat, Jahr 34



Erst danach über die Ereignisse zu schreiben war immer die falsche Weise diese Art Tagebuch zu führen. Wenn ich drauf gehe, bevor ich niederschreiben konnte wodurch, wird es keiner wissen. Das verfehlt den Sinn. Ich hätte längst damit aufhören können. Die Tradition und der ganze glorifizierende Unfug ist mit Gilneas gestorben und es wartet kein Nachfolger, der aus meinen Erfahrungen und meinem Dahinscheiden zehren kann. Aber der Gedanke, dass danach irgendwer diesen Schimmelfänger findet und über mich Bescheid weiß, lässt mich schreiben. Nach dem ganzen Verstecken und Verstellen ist es der passende Ausgang. Dieser Offenbarungsdrang ist lästig und ich bin froh wenn es vorbei ist und ich keinem der Gesichter mehr begegnen kann, die Bescheid wissen.

Bevor ich aber weiter über Dinge kritzle, die mit dem eigentlichen Anlass für diesen Eintrag nichts zu schaffen haben:
Wir haben eine Leiche gesucht und einen Nekromanten gefunden. Wer käme auf sowas? Er hatte seine Späße mit uns und wir haben ihm angemessen dafür gedankt. So macht man das. Immer angemessen handeln.

Das strategische Fazit:
Wenn ein Nekromant zu allem Überfluss auch noch Illusionist ist, Leute bezaubert und über Handlanger verfügt sei schneller als er und habe immer einen gepolsterten Knüppel für deine Freunde dabei.

Ich konnte beobachten, wie diese Aufgabe die anderen berührte. Wie Liyaniel die Antwort auf meine Frage findet, was ihr dieser leere Titel und der beschränkte Status wert ist. Wie Adelaide allmählich den berühmten Roten Faden in ihrer Geschichte findet und hoffentlich ihrem Potential das nötige Futter liefert, damit es groß und stark wird. Wie Pere Möglichkeiten erkennt, die den vertrauten Horizont überflügeln und vermutlich ein Leben auf dem Hof noch weniger erträglich machen. Oder vielleicht sogar attraktiver. Wie Magus Servantes einmal mehr die Fesseln seines Ordens dehnt und in wenigen Tagen mehr leistet, als in einem Monat. Eine Gurkentruppe von Freigeistern im Käfig.
Wenn sie riefen, würde ich wieder kommen.

Doch ich bin in dieser Sache eine verdammte Ente. Ich schwimme darin, aber es berührt mich nicht. Ich teile die Angst nicht. Oder die Verzweiflung. Ich sehe nur den tiefen dunklen Wald und erinnere mich an ein tiefes dunkles Gegenstück ohne Ende. Die Gewissheit aber, dass dieser eins hat - ein Ende - macht es einfach, zu Schwimmen ohne dabei nass zu werden. In manchen Augen lässt es mich mutig erscheinen. In den meisten eher dumm. Tatsächlich bin ich nur leer. Wenn sie wüssten wie gern ich die Aufmerksamkeit des guten alten Sensenmanns zu mir locke, würden sie mich nicht dabei haben wollen.

"Fürchte nicht den Sensenmann. Fürchte den lebendigen Tod in einer selbstgemachten Kiste." Sagte mal ein weises Arschloch in einem Schlammloch. Ich folgte sehr lange dieser Prämisse. Habe vier Leben in einem gelebt. Keine Gelegenheit verstreichen lassen. Keine Möglichkeit ausgelassen. So oft auf Kosten anderer wie auf meine. Ich kenne die Weite dreier Himmel. Was weiß sie davon, eingepfercht in einem Streben nach Anerkennung durch Leute, die sie verachtet. Seit wie vielen Jahren, wie viele Male.
Doch dieses Auskosten hat einen Preis. Die Enden sind stets die selben. Ich muss wissen, was sein wird, wenn ich diesen Kreislauf breche. Nur einmal.

Ich wünschte, ich hätte mehr Zeit. Ich wünschte, ich hätte mir dieses Vorhaben für profanere Gelegenheiten aufgehoben. Sie nennt mich feige. Sie hat keine Ahnung wie viel Mut ich aufbringen musste. Sich dem Nekromanten zu stellen war einfacher.

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Re: Es war einmal...

Beitrag  Liyaniel am Di Sep 20, 2016 6:16 pm



Tag? "Von Stimmungsschwankungen und seltsamen Verstecken" oder " Der Tod steht ihr gut"



Abendlieds Tagebuch


Dort wo unsere Reise begann, endet sie nun. Peres Hof.

Ich fühle mich von Grund auf zerstört und neu zusammen gesetzt, und doch ist es mir nicht fremd.
Zuerst war da die Angst, dann hat es mich befreit.

Letzte Nacht habe ich die Sterne betrachtet. Ein trauriges Versäumnis, sie nicht schon vor Jahren beachtet zu haben. Selbst wenn man den Blick abwendet, bleibt die Faszination und der Wunsch immer wieder dorthin zu sehen. So viele Sterne, die es zu bewundern gilt.
Darauf kann ich nicht verzichten. Diesen Wunsch nicht verdrängen oder kontrollieren. Freiheit. Keine Grenzen.
Selbst nun, wo es Morgen ist und alles zu einer undeutlichen Erinnerung verschwommen sein sollte, ist es präsent.

Umso schwerer fällt nun der Gedanke sich wieder zu den Zwängen zu begeben. Heimkehr. Ich kehre nicht heim. Und was ich frei ließ, sperre ich nicht mehr ein.

Adelaide ist bereits gestern Abend mit Magus Servantes nach Sturmwind zurück gekehrt. Es fühlt sich falsch an, sie alleine ziehen zu lassen. Nein, es fühlt sich falsch an irgendeinen dieser Personen ziehen zu lassen. So viel, was wir teilen. Erfahrungen und Geheimnisse. Vertrauen.
So spüre ich eine Verbundenheit zu jedem von ihnen. Selbst zu diesem Kirin Tor.

Es sind Menschen, die mein Leben ein Stück weit begleiten werden, bis ihr Alter oder der Tod sie mir entreißt. So es mich nicht zuerst trifft.

Ich werde mir die Gefahren suchen, die mich bei Laune halten.

Nein, diese Reise endet nicht. Sie hat gerade erst begonnen.


Zuletzt von Liyaniel am Fr Okt 06, 2017 9:20 pm bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet

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Re: Es war einmal...

Beitrag  Liyaniel am Di Sep 20, 2016 6:22 pm



Ein Stück Pergament



Elfenberührung.
Auf einem Stück Echtsilber für die Ewigkeit. Nur ein Span, der keine Aufmerksamkeit zieht. Gehüllt in unser aller Geheimnis, den Blicken entzogen in schwarzem Bette versteckt.
Dies ist mein Geschenk für Dich.
Möge Dein Geist geschützt von Zwang und Bezauberung sein, dein Wille frei.

Eine Tote suchten wir. Was wir fanden traf uns unvorbereitet. Nekromanten, verwirrende Geschichten und kaum ein Geheimnis, das wir zu lösen wussten.
Wir haben gemordet, wir haben gerichtet. Wir haben gekämpft und geplündert. Dem Tod standen wir am nächsten.
Ich empfinde keine Reue, keinen Schmerz darüber. Wir taten das Richtige.

Auch wurden Bänder geknüpft, die niemand vermutet hätte. Wo zaghafte Freundschaft war, wurde Vertrauen vertieft.

Geheimnisse. Zu viel davon.

Doch nur eines wahre ich mit Freude. Unser Geheimnis.
Vom Nexus zum Nether, da ich die Verlockung verfluchte, vom Nether zum Nexus.

Nexale Erfüllung.

Doch ein Geheimnis mehr hüte ich, gebe es in Deine Hand, wissend, dass Du es dennoch nie erfahren wirst. Zu kostbar ist Dir der Nutzen.

Ich habe gelogen.

Lügen. Sie können durch Worte erfolgen, doch auch durch das Schweigen oder Handeln.
Ich habe verschwiegen.

Welche Entscheidung Du triffst, das weiß ich heute nicht. Doch morgen, wenn Du dies in Händen hältst, wird sie gefallen sein, so wie meine nun gefallen ist.

Du bist würdig. So gebe ich Dir dieses Schild in die Hand, das meinesgleichen so verhasst ist.
Elfenberührung.
Nie mögest Du an der Wahrhaftigkeit zweifeln.
Keine Zwänge. Nicht für Dich. Nicht für mich.
Nur die Befreiung und nexale Erfüllung.

Wir sind füreinander Studienobjekte und Forscher zugleich. Mit jedem enthüllten Geheimnis steigt die Faszination. Sich der Besonderheit immer mehr bewusst werdend.

Wieder verschweige ich.

Doch was ich verschweige – dies ist dem beharrlichen Forscher vorbehalten.
Ein tief in mir verborgenes Geheimnis.
Ob Du beharrlich bist, dies wird sich noch zeigen.

Liyaniel







Mit ruhiger Miene überflog sie die eng geschriebenen Zeilen, derweil die Tinte trocknete. Die Feder bei Seite gelegt, wirkte jeder Handgriff wie eingeübt.
Ein dünnes, biegsames Plättchen aus Echtsilber, welches bereits mit der Verzauberung genährt wurde.
Permanent. Ein machtvolles Arkanes Objekt.

Sie faltete das Pergament einmal zu einem Dreieck. Säuberlich eine Ecke zur anderen führend. Symmetrie.
Das Plättchen fand seinen Platz in seiner Mitte. Wohl bedacht, berechnet, bis das Dreieck kaum mehr als die Hälfte ihrer Handfläche bedeckte.

Schwarzer Stoff. Schlicht und nicht nach Aufmerksamkeit schreiend. Mit sinnlosen Runenzeichen bestickt, nur um dem prüfenden Blick eines Laien zu bestehen, so der schwarze Seidenfaden überhaupt ins Auge stach.
Darin nähte sie das Pergament mit dem verzauberten Silberplättchen ein.

Eine Öse. Er würde vermutlich eine Lederschnur wählen, das ahnte sie. Aber wissen würde sie es bald.

„Es ist vollbracht“, wisperte sie und betrachtete das schlicht aufgemachte Werk, das sie Stunden der Mühe gekostet hatte und viel ihrer Kraft.
Nichts, um die Lächerlichkeit eines einfachen Individuums zu bezeugen.

Das hohe Geschenk einer Quel’dorei.

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