Es war einmal...

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Re: Es war einmal...

Beitrag  Liyaniel am Di Sep 20, 2016 6:23 pm



Tag ??? - In der Gruft von Rabenflucht



Tage und Nächte hatte er ausgeharrt, gefangen in der Dunkelheit seines Grabes.
Dumpf hatte er ihre Stimmen vernommen. Da wurde ihm bewusst, der Meister war tot.
Er hatte sich zwischen den Büchern geregt, die all ihr Wissen beinhaltete. Geduldig gewartet.

Erst als die Luft zu dick zum Atmen wurde, der Durst zu quälend, sprach er das nötige Machtwort. „Meriyem.“
Nichts.
Jemand hatte das Schloss zerstört.

Verzweiflung. Ohnmacht.

„Wie mir mitgeteilt wurde, gab es hier Probleme?“ vernahm er im Dunkel seines Bewusstseins die weibliche Stimme.
Flatternd öffneten seine Lider sich, als er das belebende Nass an seinen trockenen Lippen spürte.
Ein wunderschönes Geschöpf. Zu unwirklich und doch spürte er die eiskalte Hand auf seiner Stirn.

Sie saß am Rand seines steinernen Sarges und hatte die Lippen zu einem spöttischen Lächeln verzogen.
„Immerhin habt Ihr alles in Sicherheit gebracht“, säuselte sie. „Auch wenn ich mehr von eurem Meister erwartet hätte.“

Er versuchte zu sprechen, doch gelang es ihm nicht. Die Zunge war geschwollen und schwer.

„Es war schwer den Zauber zu brechen. Nun, vielleicht… nicht für eine Quel’dorei.“
Schelmisch zwinkerte sie dem Akolythen zu.

„Bringt ihn hinaus, wir brechen sofort wieder auf. Man erwartet mich bereits, und ich will keine Zeit verschwenden. Und vergesst die Aufzeichnungen nicht!“
„Ja, Mylady“, erklang es ergeben und doch so starr.

Sie stolzierte voran, überließ den geschwächten Akolythen ihrem Diener.

Elendes Pack. Wer auch immer sie alle getötet hatte, würde büßen.

„Zeit Fragen zu stellen“, säuselte sie und begab sich mit einem schmalen Lächeln auf den Lippen nach Rabenflucht.

Das Spiel fängt gerade erst an.

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Re: Es war einmal...

Beitrag  Liyaniel am Di Sep 20, 2016 6:28 pm





Irgendwo in Azeroth






„Sehr gut, gleich nochmal!“ ertönte die Stimme der Quel’dorei, die prüfend die ausgeführten Gesten ihres Schülers beobachtete.
„Mit etwas mehr Liebe, bitte. Es soll ja nicht nur etwas bewirken, sondern auch gut aussehen!“

Unsicher blickte er zu seiner Lehrmeisterin.
„Gut aussehen“, murmelte er und führte die Geste abermals durch. So hatte er sich das alles gar nicht vorgestellt. Vielleicht wäre der Tod eine bessere Option gewesen.

„Jaaaa“, säuselte sie und klatschte begeistert in die Hände. Ihre Augen leuchteten mal wieder stärker. Wie immer, wenn sie die Finger nicht von den verhängnisvollen roten Blättern lassen konnte. Und dies schien immer der Fall zu sein.

„Soll ich die Geste nochmals ausführen?“ fragte er unsicher und deutete eine Verbeugung an. Sicher war sicher.

Die Elfe schob sich von ihrem ‚Thron‘ und schlenderte mit einem verschlagenen Lächeln auf ihn zu. Den Zeigefinger empor gehoben, deutete sie ein deutliches ‚Nein‘.

„Versuch es nun an… ihr!“ erklang es, ehe ihr Blick sich auf den schmalen Leib einer wohl älteren Dame richtete, die ihre besten Zeiten lange hinter sich gelassen hatte. In jeder Hinsicht.
„Gib ihr einen Namen und lass sie tanzen!“

„Ja. Jawohl. Ich nenne sie…“ Stirnrunzelnd richtete er den Blick auf die halb verweste Leiche. „Adda.“

„Adda“, wisperte sie. „Geste und Formel – auf auf!“ Auffordernd klatschte sie in die Hände.

Der Akolyth fuhr sich mit der Zunge über die Lippen, ehe die Arme zu ausladenden Gesten gehoben wurden. Wie ein Puppenspieler ließ er seine Finger zucken. Und als hätte ihn ein Fieber gepackt, flüsterte er die Formel.
Und tatsächlich, Adda richtete sich auf. Mit zuckenden Gliedern, dem Kinn auf der Brust ruhend, ehe sie Haltung annahm.
Stolz grinste der Akolyth.

„Wir brauchen noch mehr davon“, ließ die Quel’dorei vernehmen.

„Herrin“, setzte ihr Schüler an. „Was ist nun mit diesen Leuten aus Rabenflucht?“

„Alles zu seiner Zeit“, antwortete sie schmunzelnd und trat zu Adda. Die Arme um die untote Kreatur geschlungen vollführte sie einige Tanzschritte und schubste sie zuletzt achtlos fort.

„Wir haben noch reichlich zu tun, ehe die anderen eintreffen. Auf, auf, an die Arbeit!“

„Ja, Herrin“, sprach er, während er sich tief verneigte.

Tatsächlich. Es gab viel zu tun. Alles Weitere würde sich fügen. Vielleicht.






Königliche Akademie der Arkanen Künste und Wissenschaften Sturmwind – Das Büro der Erzmagierin




„Es wäre mir wirklich ein Anliegen, wenn Ihr dies abermals untersuchen würdet“, sprach die alte Dame. Das weiße Häubchen auf ihrem Haupt wies sie als frisch gebackene Witwe aus. Oder eine Frau mit schlechter Frisur.

Die leuchtenden Augen der Quel’dorei richteten sich auf den besagten gefährlichen Gegenstand.
„Es ist eine… Uhr“, säuselte sie und blickte die Dame direkt wieder an.

Novizin Conroy saß auf dem verbliebenen Stuhl und ließ die Schreibfeder kratzend über das Pergament fliegen. Auf ihren Zügen zeigte sich keinerlei Regung, während ihr Augenmerk ausschließlich auf die Akte gerichtet zu sein schien.

„Ja, Erzmagierin, ich habe sie von meinem Gemahl geerbt“, erklärte die Frau mit einem flüchtigen Lächeln, ehe sie in ihrer Trauer in Tränen ausbrach. „Er würde mir nie etwas Böses tun, aber die Uhr ist ein Erbstück und Ihr wisst ja, wie es mit Erbstücken ist. Nichts wert oder verflucht. Diese Uhr ist verflucht, da bin ich mir sicher!“

„Natürlich, natürlich“, säuselte Liyaniel und legte den Kopf schief. Belore, sie soll endlich aufhören zu weinen.
Ein freundliches Lächeln zeigte sich auf den Zügen der Elfe.
„Ich habe es in den vergangenen Tagen mehrfach untersucht. Diese Uhr… ist so magisch wie ein Stück Brot vom Bäcker.“

„Bitte“, flehte die Frau. „Seit ich diese Uhr bei mir trage, fühle ich mich schrecklich. Stets der stechende Schmerz in meiner Brust. Damit stimmt doch etwas nicht!“

Adelaide zeigte eine aufmerkende Geste und notierte weiter.

Die Erzmagierin ließ ein leises Seufzen vernehmen. Beim Sonnenbrunnen, was mache ich hier eigentlich?
„Also gut, ich werde sie mir noch einmal ansehen.“

Die Dame erhob sich und trat um den Tisch und schickte sich gar an, die Magierin in die Arme zu nehmen. Doch beließ sie es dabei, schlicht nach ihren Händen zu greifen.
„Ich danke Euch, Erzmagus Abendlied, ich danke Euch!“

„Natürlich. Das mache ich doch gern, gute Frau.“
So legte sie die alte Uhr vor sich auf dem Schreibtisch ab – wie schon so oft in den vergangenen Tagen. Den Schein wahren. Tatsächlich wirkte sie einen Zauber und prüfte das Erbstück auf Magie. Nichts. Warum hätte sich daran auch etwas ändern sollen?
„Belore“, flüsterte Liyaniel und riss die Augen auf, ehe sie unkontrolliert sie zucken begann.

Auch die Frau riss nun erschrocken die Augen auf und wich zurück.
„Beim Licht, was ist nur mit Euch!“
Die Novizin hingegen nahm es mit nüchterner Gelassenheit. Fleißig führte sie das nötige Protokoll.

Liyaniel zuckte weiter auf ihrem Sessel und murmelte zusammenhanglose Worte. Thalassisch. Das würde die Dame ohnehin nicht verstehen. Mit Hilfe einer Illusion zauberte sie sich Schweißperlen auf die Stirn.
„Ich kann es nicht bannen!“ zischte sie und sank scheinbar kraftlos zurück.

„Ach Erzmagus, beim Licht, Kind, das wollte ich nicht! Ach herrje, wie schrecklich. SCHRECKLICH! Soll ich Hilfe holen?“ erklang es panisch, während die Witwe Liyaniel Luft zufächelte.

„Es… geht schon“, erklärte jene kraftlos. „Ich… wir… werden es in einem… Bannkasten… verschließen.“ Dem folgte ein schwaches Lächeln. „Vergebt, dass ich es nicht früher erkannte…“

Die Frau hob entsetzt die Arme.
„Ist schon gut, beim Licht, wie konnte das nur sein?“

„‘s hat sich gut verborgen… nun… wir werden es sicher verwahren…“ sprach Liyaniel weiter. „Das kann gefährlich werden. Geht besser… und bringt Euch in Sicherheit… geht heim.“

Eifrig nickte die Dame. „Soll ich Hilfe holen?“

„Nein, ich muss mich dem allein stellen und für mein bisheriges Versagen Läuterung erfahren.“

„Ach Kind, Erzmagus, ach herrje…“ verstört verließ die Dame das Büro und ward wohl nie wieder gesehen.

Kaum hatte sich die Tür hinter jener geschlossen, rollte Adelaide mit den Augen und zerknüllte das beschriebene Pergament.
Liyaniel platzierte seufzend ihre Stirn auf den Tisch und schüttelte langsam den Kopf.
„Belore, warum holt mich hier niemand raus?“ jammerte sie leise für sich.

Der nächste Griff ging in den Beutel. Genug Blutdisteln. Eine davon wanderte in ihren Mund – die Uhr hingegen wurde achtlos in die Schublade geworfen.

Eines Tages. Vielleicht.

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