Es war einmal... II

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Es war einmal... II

Beitrag  Liyaniel am Mi Sep 21, 2016 7:28 am





Irgendwo in Azeroth




„Sehr gut, gleich nochmal!“ ertönte die Stimme der Quel’dorei, die prüfend die ausgeführten Gesten ihres Schülers beobachtete.
„Mit etwas mehr Liebe, bitte. Es soll ja nicht nur etwas bewirken, sondern auch gut aussehen!“

Unsicher blickte er zu seiner Lehrmeisterin.
„Gut aussehen“, murmelte er und führte die Geste abermals durch. So hatte er sich das alles gar nicht vorgestellt. Vielleicht wäre der Tod eine bessere Option gewesen.

„Jaaaa“, säuselte sie und klatschte begeistert in die Hände. Ihre Augen leuchteten mal wieder stärker. Wie immer, wenn sie die Finger nicht von den verhängnisvollen roten Blättern lassen konnte. Und dies schien immer der Fall zu sein.

„Soll ich die Geste nochmals ausführen?“ fragte er unsicher und deutete eine Verbeugung an. Sicher war sicher.

Die Elfe schob sich von ihrem ‚Thron‘ und schlenderte mit einem verschlagenen Lächeln auf ihn zu. Den Zeigefinger empor gehoben, deutete sie ein deutliches ‚Nein‘.

„Versuch es nun an… ihr!“ erklang es, ehe ihr Blick sich auf den schmalen Leib einer wohl älteren Dame richtete, die ihre besten Zeiten lange hinter sich gelassen hatte. In jeder Hinsicht.
„Gib ihr einen Namen und lass sie tanzen!“

„Ja. Jawohl. Ich nenne sie…“ Stirnrunzelnd richtete er den Blick auf die halb verweste Leiche. „Adda.“

„Adda“, wisperte sie. „Geste und Formel – auf auf!“ Auffordernd klatschte sie in die Hände.

Der Akolyth fuhr sich mit der Zunge über die Lippen, ehe die Arme zu ausladenden Gesten gehoben wurden. Wie ein Puppenspieler ließ er seine Finger zucken. Und als hätte ihn ein Fieber gepackt, flüsterte er die Formel.
Und tatsächlich, Adda richtete sich auf. Mit zuckenden Gliedern, dem Kinn auf der Brust ruhend, ehe sie Haltung annahm.
Stolz grinste der Akolyth.

„Wir brauchen noch mehr davon“, ließ die Quel’dorei vernehmen.

„Herrin“, setzte ihr Schüler an. „Was ist nun mit diesen Leuten aus Rabenflucht?“

„Alles zu seiner Zeit“, antwortete sie schmunzelnd und trat zu Adda. Die Arme um die untote Kreatur geschlungen vollführte sie einige Tanzschritte und schubste sie zuletzt achtlos fort.

„Wir haben noch reichlich zu tun, ehe die anderen eintreffen. Auf, auf, an die Arbeit!“

„Ja, Herrin“, sprach er, während er sich tief verneigte.

Tatsächlich. Es gab viel zu tun. Alles Weitere würde sich fügen. Vielleicht.






Königliche Akademie der Arkanen Künste und Wissenschaften Sturmwind – Das Büro der Erzmagierin




„Es wäre mir wirklich ein Anliegen, wenn Ihr dies abermals untersuchen würdet“, sprach die alte Dame. Das weiße Häubchen auf ihrem Haupt wies sie als frisch gebackene Witwe aus. Oder eine Frau mit schlechter Frisur.

Die leuchtenden Augen der Quel’dorei richteten sich auf den besagten gefährlichen Gegenstand.
„Es ist eine… Uhr“, säuselte sie und blickte die Dame direkt wieder an.

Novizin Conroy saß auf dem verbliebenen Stuhl und ließ die Schreibfeder kratzend über das Pergament fliegen. Auf ihren Zügen zeigte sich keinerlei Regung, während ihr Augenmerk ausschließlich auf die Akte gerichtet zu sein schien.

„Ja, Erzmagierin, ich habe sie von meinem Gemahl geerbt“, erklärte die Frau mit einem flüchtigen Lächeln, ehe sie in ihrer Trauer in Tränen ausbrach. „Er würde mir nie etwas Böses tun, aber die Uhr ist ein Erbstück und Ihr wisst ja, wie es mit Erbstücken ist. Nichts wert oder verflucht. Diese Uhr ist verflucht, da bin ich mir sicher!“

„Natürlich, natürlich“, säuselte Liyaniel und legte den Kopf schief. Belore, sie soll endlich aufhören zu weinen.
Ein freundliches Lächeln zeigte sich auf den Zügen der Elfe.
„Ich habe es in den vergangenen Tagen mehrfach untersucht. Diese Uhr… ist so magisch wie ein Stück Brot vom Bäcker.“

„Bitte“, flehte die Frau. „Seit ich diese Uhr bei mir trage, fühle ich mich schrecklich. Stets der stechende Schmerz in meiner Brust. Damit stimmt doch etwas nicht!“

Adelaide zeigte eine aufmerkende Geste und notierte weiter.

Die Erzmagierin ließ ein leises Seufzen vernehmen. Beim Sonnenbrunnen, was mache ich hier eigentlich?
„Also gut, ich werde sie mir noch einmal ansehen.“

Die Dame erhob sich und trat um den Tisch und schickte sich gar an, die Magierin in die Arme zu nehmen. Doch beließ sie es dabei, schlicht nach ihren Händen zu greifen.
„Ich danke Euch, Erzmagus Abendlied, ich danke Euch!“

„Natürlich. Das mache ich doch gern, gute Frau.“
So legte sie die alte Uhr vor sich auf dem Schreibtisch ab – wie schon so oft in den vergangenen Tagen. Den Schein wahren. Tatsächlich wirkte sie einen Zauber und prüfte das Erbstück auf Magie. Nichts. Warum hätte sich daran auch etwas ändern sollen?
„Belore“, flüsterte Liyaniel und riss die Augen auf, ehe sie unkontrolliert sie zucken begann.

Auch die Frau riss nun erschrocken die Augen auf und wich zurück.
„Beim Licht, was ist nur mit Euch!“
Die Novizin hingegen nahm es mit nüchterner Gelassenheit. Fleißig führte sie das nötige Protokoll.

Liyaniel zuckte weiter auf ihrem Sessel und murmelte zusammenhanglose Worte. Thalassisch. Das würde die Dame ohnehin nicht verstehen. Mit Hilfe einer Illusion zauberte sie sich Schweißperlen auf die Stirn.
„Ich kann es nicht bannen!“ zischte sie und sank scheinbar kraftlos zurück.

„Ach Erzmagus, beim Licht, Kind, das wollte ich nicht! Ach herrje, wie schrecklich. SCHRECKLICH! Soll ich Hilfe holen?“ erklang es panisch, während die Witwe Liyaniel Luft zufächelte.

„Es… geht schon“, erklärte jene kraftlos. „Ich… wir… werden es in einem… Bannkasten… verschließen.“ Dem folgte ein schwaches Lächeln. „Vergebt, dass ich es nicht früher erkannte…“

Die Frau hob entsetzt die Arme.
„Ist schon gut, beim Licht, wie konnte das nur sein?“

„‘s hat sich gut verborgen… nun… wir werden es sicher verwahren…“ sprach Liyaniel weiter. „Das kann gefährlich werden. Geht besser… und bringt Euch in Sicherheit… geht heim.“

Eifrig nickte die Dame. „Soll ich Hilfe holen?“

„Nein, ich muss mich dem allein stellen und für mein bisheriges Versagen Läuterung erfahren.“

„Ach Kind, Erzmagus, ach herrje…“ verstört verließ die Dame das Büro und ward wohl nie wieder gesehen.

Kaum hatte sich die Tür hinter jener geschlossen, rollte Adelaide mit den Augen und zerknüllte das beschriebene Pergament.
Liyaniel platzierte seufzend ihre Stirn auf den Tisch und schüttelte langsam den Kopf.
„Belore, warum holt mich hier niemand raus?“ jammerte sie leise für sich.

Der nächste Griff ging in den Beutel. Genug Blutdisteln. Eine davon wanderte in ihren Mund – die Uhr hingegen wurde achtlos in die Schublade geworfen.

Eines Tages. Vielleicht.

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Re: Es war einmal... II

Beitrag  Liyaniel am Mi Sep 21, 2016 7:30 am







Tag 1 – Einmal Wald und zurück




Es musste ein ungeschriebenes Gesetz sein, dass sich immer dann Fälle von Dringlichkeit häuften, wenn man bereits mit einem Fuß über die Schwelle trat.
Da standen sie förmlich Schlange, während man halb im Sattel saß. Besorgte Bürger, vermeintliche Zeugen – Personen, die ‚untersucht‘, beruhigt oder mit falschen Informationen gefüttert werden wollten.
Ein in Eile geschriebener Bericht, wortlose Blickwechsel zwischen Erzmagierin und Novizin,  die gemeinsam mit dem Kirin Tor nur ein Ziel kannten: Raus aus der Stadt.

So hebte sich die Laune der Quel’dorei, kaum dass sie die Stadttore hinter sich gelassen hatten. Selbst die dicken Tropfen, die aus Unheil verkündenden dunklen Wolken herab kamen, konnten diese nicht trüben.

Doch die Unwissenheit verschafft Ausgelassenheit, Raum für Scherze und gar Freude ob der bevorstehenden Mission.

Unwissenheit ist ein Segen.
Bis man das Grollen der dunklen Wolken in der Ferne vernimmt.

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Re: Es war einmal... II

Beitrag  Liyaniel am Mi Sep 21, 2016 7:33 am



Abendlieds Tagebuch - 26ter Tag des 4ten Monats


Zurück im Wald. Zurück im Dreck. Als wäre ich heim gekehrt.
So wird mir abermals bewusst, wo mein Platz ist. Verschanzt euch nur in eurer kleinen, sicheren Welt. Beklagt den schlechten Sitz der Roben, die mangelnde Form und genießt in den schönen Gärten die gepflegte Konversation.
Dies ist nicht mehr meine Welt.

Magus Servantes hat die Umgebung überprüft. Es scheint keine lebende Entität in der Umgebung zu sein, doch brachte die Analyse des Kirin Tor auch die Gewissheit, dass nach uns jemand hier war.
Sie kennen unsere Fußabdrücke. Sie kennen unsere Gesichter. Sie wissen, was wir hier taten.

Bin sogleich in die Stadt zurück und habe Jon und Pere eine Nachricht hinterlassen. Hoffentlich nicht zu spät.

Nun graut bereits der nächste Morgen. Ein wohl vertrautes Bild, welches ich durch die Dunkelheit des dicht bewachsenen Waldes tauschen werde.

Ungewissheit. Seltsam, dass es mich so berauscht. Der Gedanke an Gefahr.
Magus Pedia wäre empört. Gut so.

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Re: Es war einmal... II

Beitrag  Liyaniel am Mi Sep 21, 2016 7:37 am



Tag 2 - Feuer das reinigt



Abendlieds Tagebuch - 27ter Tag des 4ten Monats


Das Fallenfeld wurde entschärft. Um sicher zu gehen, dass ich nichts übersehen habe, sollte ich morgen früh nochmals eine Prüfung vornehmen.
Eine der Runen habe ich gesichert und nehme sie zur weiteren Analyse nach Sturmwind mit.

Magus Servantes und Novizin Conroy hatten derweil die Säuberung im vorderen Bereich der Gruft vorgenommen.
Den vermeintlich geschlossenen Steinsarg haben sie geöffnet vorgefunden. Doch bis auf Ausscheidungen habe sich darin nichts befunden.
So widerwärtig Nekromanten auch sein mögen, ich bezweifle, dass derartiges eine beliebte Reagenz ist oder wichtig genug, um derartig gesichert gelagert worden zu sein.
Es muss sich jemand darin befunden haben… wer auch immer.

Die Tatsache, dass es in Sturmwind Personen gibt, die durch Magus Servantes oder mich verzauberte Gegenstände mit sich führen, macht die Sache nun wahrlich unangenehm.
Wer auch immer nach uns hier war, wird die Analysen sicher nicht zum reinen Vergnügen durchgeführt haben.
Ich möchte mich nicht auf die Annahme und das Glück verlassen, dass wir – oder eben jene anderen – unbehelligt bleiben.

Miss Marina, eine Bekannte meiner Novizin, trägt den verzauberten Stein bei sich. Ebenso erinnere ich mich Lotte einen verzauberten Gegenstand überlassen zu haben.
Wenn wir zurück sind, sollte ich unbedingt in die Werkstatt und in die Bücher sehen. Und auch der Kirin Tor sollte dem nachgehen. (Belore, er schnarcht.)

Wer weiß, wieviele unbeteiligte Personen nun möglicherweise im Fokus jener Unbekannten sind.

Morgen steht die Sicherung und Reinigung der anderen Seite der Gruft aus.

Zeit für den Wachwechsel. Endlich kann ich weiter schlafen.


Zuletzt von Liyaniel am Fr Okt 06, 2017 9:24 pm bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet

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Re: Es war einmal... II

Beitrag  Liyaniel am Mi Sep 21, 2016 7:38 am



Tag 3 - Von fragwürdigen Kindern und magischen Spielereien



Abendlieds Tagebuch - 28ter Tag des 4ten Monats


Dieser Wald ist ein Ort, an welchem immer wieder neue Fragen aufgeworfen werden.
Wieso ist hier ein kleiner Junge?

Magus Servantes hält die Paralyse auf ihm aufrecht. Keiner wagt sich in die Nähe des Kindes. Dank des Zaubers hat es wenigstens aufgehört zu weinen und zu wimmern.
Den Makel des Untodes zu entschlüsseln, war nicht schwer. Der zweite Zauber macht mir zu schaffen.

Habe Magus Darijan hierher gebracht. Gemeinsam mit dem Kirin Tor und meiner Novizin haben sie die verworrene Struktur der Zauber sichtbar gemacht. Was bleibt, ist ein Muster, das einem uns unbekannten Zauber entspringt.
Wieviele Stunden habe ich nun diesem scheußlichen Buch geblättert und gesucht. Noch viel zu viele Seiten und Muster die verglichen werden müssen.

Ich hoffe, dem Kind kann geholfen werden. Dann bleibt uns noch immer ausreichend Gelegenheit Antworten auf unsere Fragen zu suchen.

An den Gestank hier in der Gruft habe ich mich schon gewöhnt. Dennoch ist der Gedanke reizvoll wieder an die Oberfläche und frische Luft zu gelangen.
Ebenso der quälende Gedanke an jene, die wir zurück ließen und jene, die nun arglos mit Arkanen Objekten, die ich eigentlich zu ihrem Schutze herstellte, durch die Stadt streunen.

Glücklicherweise hat das Geflüster in meinem Kopf ein Ende gefunden. Unverständliche Worte.
Wenn ich es ihnen sage, wird es nur unnötige Sorgen bereiten.
Jon würde mir vermutlich zu Gegenteiligem raten. Raus aus meinen Gedanken, Jon Teagan.
Beim Licht der Sonne, ich sollte es ihnen später sagen.

Ich möchte heim. Wenigstens für einige Augenblicke Ablenkung erhalten, keine Sorge kennen und einfach nur Liyaniel Abendlied sein.

Der Gedanke an ‚zu Hause‘, der mich nun dazu treibt die stechenden Schmerzen im Nacken und Kopf zu vergessen und mich wieder an die Arbeit zu machen.

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Re: Es war einmal... II

Beitrag  Liyaniel am Mi Sep 21, 2016 7:46 am



Abendlieds Tagebuch – 30ter Tag des 4ten Monats


Nachdem ich Rücksprache mit Lady Varloh hielt, teleportiere sich Magus Servantes mit dem Jungen in sein Heim.
Beide konnten dort durch Lady Varloh geheilt werden, nun gilt es wieder abzuwarten. Wer weiß, was uns dieser Knabe zu erzählen hat.

Warten. Ich hasse es ebenso sehr wie die Ungewissheit, die sich in meine Gedanken geschlichen hat.
Es ist, als wäre alles außer Kontrolle geraten, wir alle nur Spielfiguren, die nach dem Gutdünken anderer bewegt werden.

Nahezu alle von mir verzauberten Arkanen Objekte konnten sichergestellt werden. Es fehlt nur der Teleportationsstein, von dem ich hoffe, dass meine Novizin ihn alsbald zurück erlangt. Und der Anhänger von Pere.
Sobald alles gesichert ist, kann ich mich endlich verbergen. Dann enden die Albträume, und ich kann endlich wieder Schlaf finden.

Ich würde gerne wieder schlafen können. Überall scheinen Schatten umher zu huschen, die immer dann verschwinden, wenn ich einen näheren Blick darauf wage. Die Schlaflosigkeit raubt mir den Verstand, die Träume sind verstörend und beängstigend.
Traum und Wirklichkeit verwischen immer mehr.

Ich kann alles, nur nicht alleine sein. Nicht jetzt. Die ganze Nacht lag ich dort auf meinem Bett und habe geweint.

Diese Träume… beim Licht der Sonne, mögen sie ein Ende finden.  Ich möchte doch nur noch schlafen.

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Re: Es war einmal... II

Beitrag  Liyaniel am Do Sep 22, 2016 8:45 am



Blut ist besser als Wasser




Abendlieds Tagebuch – 5ter Tag des 5ten Monats


Die Novizen sind gestern aus Dalaran zurückgekehrt.
Magister Feuersturm ist meiner Bitte nachgekommen.
Adelaide und Jon haben die Ringe bereits, auch wenn er sich nicht sehr zugetan zeigte. Vor allem, als ich erwähnte, dass ich Haare und Blut benötige.
Vielleicht besinnt er sich der Notwendigkeit und überlässt mir etwas.
 
Wenn es nach Jons Worten ginge, waren meine Bemühungen mit den verzauberten Ringen nur Zeitverschwendung. Ihm scheint das Ausmaß, die Folgen der Albträume und meiner Schlaflosigkeit nicht bewusst zu sein. Und auch nicht die mögliche Gefahr, die besteht, wenn ich mich vor der Weissagung unserer lieblichen Widersacher aus dem verfluchten Wald verberge.
 
Vielleicht ist es auch besser so, obgleich ich es begrüßen würde, er ließe mich ziehen. Wie sollte ich es ertragen können, stieße Sir Avrim etwas zu, nur weil ich nicht gründlich war?
 
Ich muss all das ertragen, bis ich sie alle in Sicherheit weiß. Dann werde ich mich mit Freuden in einer Bannzelle schlafen legen und mir die Stunden der Ruhe genehmigen, die mir bislang verwehrt blieben.
Sobald die falschen Spuren gelegt wurden.
Dirigieren wir diese widerwärtigen Hunde auf ein Schlachtfeld, das wir erwählen.
 
Doch was, wenn Jon Recht behält und sie uns bereits beschatten?
Er will noch darüber nachdenken, sagte er. Am liebsten würde ich ihm seinen Dickschädel zertrümmern, wenn ich nur kräftig genug wäre, einen Streitkolben zu heben.
 
Unfug, natürlich möchte ich das nicht. Aber ein Blick in seine Gedanken könnte mir vielleicht ebenso Ruhe bescheren, wie er sie zur Schau trägt.
Diese Abgeklärtheit ist beängstigend. Vielleicht sollte er an meine Stelle treten und ich schlüpfe in die Rolle einer ahnungslosen Novizin, die noch nichts von der Welt gesehen hat und beim Anblick einer Falte in ihrer Robe in Tränen ausbricht.
 

Meine Unruhe, meine Angst. Es ist beschämend.

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Re: Es war einmal... II

Beitrag  Liyaniel am Do Sep 22, 2016 8:47 am



Von vermeintlich sichtbaren Unsichtbaren und störrischen Elfen




Abendlieds Tagebuch – 8ter Tag des 5ten Monats


Alle Ringe wurden verteilt. Sie alle werden getragen, doch lediglich Magus Servantes ließ seine ‚persönlichen Dinge‘.
Wie sieht es für sie nun aus? Ein paar, die plötzlich verschwunden sind. Nur noch meine Spuren, die vorhanden sind, obgleich ich schon lange woanders sein sollte.

Ich sehe meinen Plan als gescheitert. Und das nur, da sie sich sträuben.

Welchen Sinn macht es, sich um jene zu sorgen, die so offensichtlich an meinen Fähigkeiten zweifeln?
Jon, der mich immer wieder auf ‚später‘ vertröstet.
Novizin Conroy, die sich immer ungehorsamer zeigt, mich und mein Handeln vor Novizin Bonadis und Jon in Frage stellte.
Wie soll ich mich auf die Novizin verlassen können, dort draußen?

Vertraute. Ich habe lange auf sie verzichtet und sollte es wieder tun. Zu groß ist ihr Einfluss auf mein Handeln, meine Entscheidungen – auf meine Freiheit.
Und so ihnen das Vertrauen in mir fehlt, will ich ihnen die Freiheit lassen so zu handeln, wie sie es für richtig halten.
Ebenso nehme ich mir die Freiheit, mein Leben auf meine Weise zu schützen und mich unseren Widersachern auf jene Weise zu stellen, wie ich es für richtig halte.

Anstatt zu handeln, harren wir nun aus.
Sollen sie sich besprechen, Pläne schmieden, sich mit Fragen quälen und weiter an mir zweifeln.

Sir Avrim werde ich nicht aufsuchen. Ich habe Jon mein Wort gegeben. So muss es eine Nachricht sein, die ich jedoch persönlich zu übermitteln gewillt bin. Auf meine Weise. Möge er sie verstehen und die Objekte sicher hier eintreffen.
Auf dass er in Sicherheit ist. Auf dass ich endlich wieder schlafen kann.

Keine Versprechen. Jene die ich gab, an sie werde ich mich halten. Doch neue wird es keine geben.

Nie wieder.

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Re: Es war einmal... II

Beitrag  Liyaniel am Do Sep 22, 2016 8:51 am



Von verspielten Jon‘s und schlechten Träumen





Abendlieds Tagebuch – 13ter Tag des 5ten Monats


Schlaf finden.
Wie kann ich dies, wenn der eine scheinbar mit Rauschgiften benebelt durch Sturmwind irrt und der andere von Albträumen geplagt vielleicht nicht ohne Hilfe wieder aufwachen kann?
Was, wenn Jon gar alleine ist, während sein Geist in den Illusionen gefangen bleibt?

Nun erscheint es mir gerade sicherer, wenn er den verbergenden Ring nicht tragen würde. Und doch habe ich Bedenken, ihn unter ständiger Beobachtung zu halten.
Irgendjemand dort draußen, treibt ein böses Spiel mit ihm. Nichts, was mit meinem Peiniger zu tun hätte, die Träume plagen ihn schon lange. Und dies auf eine grausame Weise, die ich in all meinen Lebensjahren als Magierin nie gesehen habe.

Was meine Albträume anbelangt, hat sich nichts an ihnen verändert. Nacht für Nacht kehren sie zurück und mit jedem Mal lassen sie eine größere Verzweiflung zurück. Ohne Hilfsmittel vermag ich mich kaum mehr zu konzentrieren, selbst die einfachsten Zauber kosten mich Mühe und Kraft.
Ich möchte mich schlafen legen und doch wage ich es nicht. So harre ich Nacht für Nacht aus, bis er mich in unachtsamen Momenten übermannt, und ich erschöpft und verängstigt wieder erwache.

Diese Kinder. Bislang hielt ich den Lärm den sie beim Spielen verursachen für das größte Übel. Nun erweisen sie sich in jeder Hinsicht als Plage.
Dieser Ball war verzaubert. Zu gerne hätte ich ihn einer Analyse unterzogen. Nun ist nichts weiter übrig geblieben, als ein Häufchen unbrauchbare Asche.
Jon sagte, er habe nach Gruft gerochen.

Beim Licht der Sonne, ich möchte nicht mehr ausharren. Ich kann es nicht mehr. Das Maß der Unerträglichkeit ist erreicht.

Sollten morgen abermals diese Kinder auf dem Vorplatz spielen, muss ich ihren Ball bekommen.  So es noch einen weiteren gibt und jener, der vor unseren Augen in Flammen aufging, nicht der Selbe war, den ich heute bereits sah.
Glücklicherweise war dies alles was geschah. Welcher Zweck auch immer damit verfolgt wird, es könnte uns auf ihre Spur bringen.

Nur eine einzige Spur, der wir folgen könnten und wir wären nicht mehr dazu verdammt hier nahezu hilflos ihr Spielzeug zu mimen.

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Re: Es war einmal... II

Beitrag  Liyaniel am Do Sep 22, 2016 8:55 am



Abendlieds Tagebuch – 14ter Tag des 5ten Monats


Ein verwirrter Kirin Tor. Ich bin nicht sonderlich erstaunt darüber, dass es kaum einen Unterschied zu seinem sonstigen Zustand gab.
Mit einem Ball der Straßengören hat er gespielt.
Doch stimmt es durchaus misstrauisch, dass der eine Ball schlicht in Flammen aufging und mehr wie die Spielerei eines unfähigen Novizen wirkte, während der andere einen solch mächtigen Zauber an den Magus brachte.

Sinuve hat sich um Magus Servantes gekümmert, der nun wieder wohlauf zu sein scheint. Doch sprach er sich dafür aus, dass jeder von uns einmal überprüft werden sollte.
Diese Mühe sollten wir nicht scheuen, um sicher zu gehen.

Auch mit Zitterschwänzchens Aufpasser scheint etwas nicht in Ordnung zu sein. Ich habe mich erkundigt. Tatsächlich ist er nicht mehr in der Zuflucht aufgetaucht.
Beim Licht der Sonne, ich hoffe wahrlich ihm ist nichts zugestoßen. Sie werden wissen, dass er zu mir wollte. Und wenn er danach nicht mehr heimkehrt, wird man mich dafür verantwortlich machen.
Ich sehe mich bereits mit aufgeschlitzter Kehle in der Gosse liegen. Kein würdiges Ende für eine Quel’dorei.
Tatsächlich haben sie auf mich gelauert. Einige persönliche Gegenstände des bedauernswerten Mannes überlassen, damit ich ihn aufspüre.
Dem werde ich mich gleich morgen früh widmen. Heute fehlt mir dazu die Kraft und meine Vorräte neigen sich dem Ende zu.

Und noch immer fand ich keine Gelegenheit Sir Avrim eine Nachricht zu übermitteln.

Zu erschöpft.

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Re: Es war einmal... II

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